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Antifa 2004 - Quite a Feeling, Quite a
Relief, Quite a Mess
Ein Diskussionsbeitrag zu den Grundlagen
antifaschistischer Politik
Intro
Früher, so ungefähr bis zum 11. September 2001, war alles besser.
Doch dann "entwickelten sich [...] in zahlreichen Städten antideutsche
Gruppierungen, denen zumindest eines gemeinsam war und ist: Die Hervorhebung der
möglichen Bedrohung durch weltweit agierende islamistische Organisationen, die
sich die Vernichtung der Jüdinnen und Juden auf die Fahnen geschrieben hätten."
So schrieb es eine Göttinger Gruppe[1]
vor einem Jahr in dieser Zeitschrift. Und warum dies alles? Vielleicht um dann
in Pamphleten, mit dem mühsam angelesenen Wissen von "Begriffen aus der
NS-Forschung", um sich zu werfen. Begriffe, "die wahlweise auf
verschiedene Gesellschaften übertragen werden und eine differenzierte
Sichtweise u.a. auf den Nahostkonflikt versperren."[2]
Die Gruppe, in der wir uns organisiert haben, wurde im Herbst 2001 gegründet
und wird in interessierten Kreisen gemeinhin als "antideutsches
Projekt" gelabelt. Wir passen also genau in jenes Raster der Göttinger
Phase 2, das uns beispielsweise "eine differenzierte Sichtweise" auf
den Nahostkonflikt versperrt. Neben dieser offenkundigen Sehbehinderung trägt
unsere Assoziation auch noch den Namen "Antifaschistische Gruppe".
Damit fangen die Probleme an. Wir haben diesen Namen nicht gewählt, weil uns
als Renegaten aus der Linken der Abschied so schwer fiel. Auch nicht, um mit
diesem Ticket gleichsam mehr Zeit zu gewinnen, in das vorgeblich andere Lager zu
wechseln. Jenes der "Bellizisten", "Rassisten" und
"Apologeten der Freien Marktwirtschaft", die die Bewegungslinke in
ihren eigenen Reihen entdeckt zu haben meint, seit einige ihrer kommunistischen
Kritiker sich zu einem offensiveren Umgang mit linkem Antisemitismus und
Anti-Amerikanismus entschlossen haben. Nein. Wir tragen diesen Namen, weil
kommunistische Organisierung in Deutschland sich zwangsläufig antifaschistisch,
antinationalsozialistisch orientieren muss. Der viel zitierte Imperativ Adornos,
alles zu tun, "dass Auschwitz sich nicht wiederhole", setzt nicht nur
das Wissen darüber voraus, dass der worst case bereits eingetreten ist und im
Land der Henker nie wieder zur kommunistischen Tagesordnung überzugehen sein
wird, sondern er besagt auch: Was einmal gesehen ist, kann wieder geschehen. Es
lohnt also einen Blick auf die postnationalsozialistischen Zustände, in denen
antifaschistische Politik sich bewegt.
Vom Postnationalsozialismus...
Der Spagat zwischen realer Funktion des nationalsozialistischen
Staates (Förderung und Garantie der Kapitalakkumulation) und ideologischem
Anspruch (sozialistisch und revolutionär) war im Nationalsozialismus nur durch
propagierte und reale Vernichtung dessen durchzuhalten, was im
nationalsozialistischen Wahnsinn gemeinhin als Gegenprinzip gesehen wurde: den
individualistischen, raffenden und zersetzenden Juden. Möglich war dies
lediglich, weil Gesellschaft und Staat im wahrsten Sinne total mobilisiert
wurden: von der Gesellschaft beim heimeligen Abend vor dem Volksempfänger über
die HJ und den Reichsarbeitsdienst bis zum Massengrab an der Front und im Staat
durch den Einfall der NS-Bewegung. Anders nämlich als in anderen autoritären
Formierungen (im faschistischen Spanien oder Italien beispielsweise) machte in
Deutschland die Bewegung den Staat und nicht der Staat die Bewegung. Deutschland
erschien während des Nationalsozialismus nicht nur von außen betrachtet als
Einheit von Staat und Gesellschaft, Deutschland war es auch. Dass die Nazis die
staatlichen Strukturen übernahmen und zerschlugen und den neuen Staat und seine
Institutionen den Erfordernissen der NS-Bewegung und seiner Ideologie anpassten,
schuf erst die notwendigen Voraussetzungen für den Terror, der zwangsläufig
aus der NS-Ideologie erwächst. Den Nationalsozialismus als rein staatlich
autoritäre Formierung zu betrachten, wird seinem Wesen also nicht gerecht,
genauso wenig wie er nur "ökonomisch" im Kapitalismus aufgehen kann.[3]
Um diese Besonderheit festzuhalten, verwenden wir den Begriff des
Postnationalsozialismus. Wir vertreten im Folgenden drei Thesen:
1. Mit dem Ende des Korporatismus[4]
ist die deutsche Gesellschaft nicht ihres nationalsozialistischen Erbes
enthoben, sondern der Postnationalsozialismus modernisiert sich.[5]
2. Mit der Krise der "Sozialpartnerschaft"[6]
in der postnationalsozialistischen Gesellschaft gewinnen auch die genuin
nationalsozialistischen Krisenlösungsmodelle wieder an Relevanz. Allerdings hat
sich die Negativ-Projektionsfläche für die Konstituierung der
Volksgemeinschaft verschoben.
3. Ziel kritischer antifaschistischer Interventionen sollten jene ideologischen
Kampagnen sein, in denen die postnationalsozialistische Gesellschaft zu sich
selbst kommt.
Der Nationalsozialismus als Bedingung für die Beendigung des Antagonismus
zwischen Arbeit und Kapital, als Verschmelzung von Staat und Gesellschaft in
Volksgemeinschaft und Rasse müsste demnach auch in einem Staat jenseits des
Korporatismus, jenseits der "Sozialpartnerschaft" und "Bündnisse
für Arbeit" denkbar sein.
Modernisierung...
Der Korporatismus der Bundesrepublik nach 1945 war auch das
Versprechen an die ehemaligen Volksgenossen, den Nationalsozialismus in die neue
Gesellschaft zu transformieren, wenngleich in modifizierter Form. "Die
Deutschen definierten sich nicht über die autooktroyierte politische
Demokratie, sondern über die Arbeitsleistung des Wiederaufbaus."[7]
Die Einführung bürgerlich demokratischer Mindeststandards nach 1945 bedeutet
keinesfalls, dass die einmal erfolgte Verschmelzung von Staat und Gesellschaft
unter nationalsozialistischen Vorzeichen wieder aufgehoben war. In ideologischer
Hinsicht schuf insbesondere die spezifisch deutsche Form der Schuldabwehr ein
wohliges Gemeinschaftsgefühls. Horkheimer schreibt: "Das Schuldbekenntnis der
Deutschen nach der Niederlage des Nationalsozialismus 1945 war ein famoses
Verfahren, das völkische Gemeinschaftsempfinden in die Nachkriegsperiode
hinüberzuretten. Das Wir zu bewahren war die Hauptsache [...] Wer in der Politik
und vielen anderen Sparten von sich selbst spricht und die Landsleute als .sie.
bezeichnet, erscheint, auch wenn die Hörenden es nicht realisieren, ihnen als
Verräter [...]".[8]
Dieses Gemeinschaftsgefühl ließ sich auch "privat mobilisieren",[9]
in der Normung des Privaten, im Spießeridyll "des wohlverdienten
Feierabendbiers nach getaner Arbeit, des wohlverdienten Wohlstandes nach getaner
Vernichtungsarbeit".[10]
Dass dieser Reichtum Folge von Vernichtungskrieg, Arisierung und Zwangsarbeit
war, sich praktizierter Wahnsinn folglich lohne, musste dem Volksgenossen mehr
oder minder bewusst, eingängig erscheinen. Einmal erfolgreich praktiziert,
bleibt er, der Nationalsozialismus, im Bewusstsein erhalten, als Drohung oder
Option - je nach Perspektive. Staatlicherseits wurde die ideologische
Kontinuität durch die Politik der "Sozialpartnerschaft"[11]
gedeckt. In eine erste Krise kam der Korporatismus bereits Mitte der Siebziger,
feierte aber immer wieder Konjunktur. Mit der Selbstdemontage der großen
Gewerkschaften und Gewerkschaftsverbunde gegen Ende der neunziger Jahre hat es
sich erst einmal auskorporiert. Was blieb waren Appelle von Regierung und
Unternehmerverbände an "die Arbeitnehmer", Arbeitskampf Arbeitskampf
sein zu lassen und an "den Standort" zu denken. Vermutlich werden in
einigen Jahren die großen Gewerkschaften allesamt von einzelnen Betriebs- und
Regional-"Arbeitnehmervertretungen" verdrängt sein.
Würde ein rein etatistischer Begriff des Postnazismus vorliegen, so müsste das
von Staat und Unternehmerverbänden angedrohte und von den Gewerkschaften qua
Selbstdemontage betriebene Ende der "Sozialen Marktwirtschaft"
gleichsam einen Bruch postnazistischer Kontinuität bedeuten. Dass dem nicht so
ist, zeigt die Bereitschaft von Staat und Gesellschaft, sich immer wieder in
sich gegenseitig verstärkenden Kampagnen volksgemeinschaftlich zu formieren.
Diese Mobilisierungen waren in den letzten Jahren stets antiamerikanisch
kontaminiert. Es zeigt sich in diesen Mobilisierungen, dass die negativen
Erscheinungen des Kapitalismus abgespalten, ex-territorialisiert werden, und in
den USA re-territorialisiert. Die Form der ideologischen Abspaltung und die
transportierten antiamerikanischen Bilder unterscheiden sich nur marginal vom
nationalsozialistischen, antisemitischen Original. Deshalb kann auch der
neuerliche "Angriff" (Lafontaine, Blüm, Udo Voigt) auf den "Kapitalismus mit
menschlichem Antlitz" und auf die "Solidargemeinschaft" nicht den Bruch mit den
postnationalsozialistischen Verhältnissen darstellen, sondern deren
Modernisierung und ideologische Verlängerung im Antiamerikanismus.[12]
...und verschobenen Projektionsflächen
Insoweit ist es auch nicht verwunderlich, wenn Pluralisierung und
Liberalisierung mit einem verstärkten Rückgriff auf volksgemeinschaftliche
Agitation einhergehen. Das Problem ist ein ähnliches wie im
Nationalsozialismus: der Widerspruch zwischen ideologischem Anspruch (die
verinnerlichte postnazistische Ideologie) und ökonomischer Realität
(Neoliberalisierung). Einige Beispiele[13]
für den Rückgriff auf das antiamerikanische Ressentiment: Die größte und
aggressivste antiamerikanische Mobilisierung in den letzten Jahren war die
Friedensbewegung gegen den dritten Golfkrieg. "Im Mittelpunkt der Kritik
der Friedensbewegung [standen] so nicht der Krieg oder die gesellschaftlichen
Zustände, sondern ein vermeintlich verdecktes, im Hintergrund agierendes,
globales Konsortium - formally known as USA - und natürlich Grundverschieden vom
Deutschen Wesen im Allgemeinen und der Deutschen Friedensbewegung bzw. Regierung
im Besonderen."[14]
Die Diskussionen in Deutschland über die Neupositionierung des
General-Motors-Konzerns in Europa fasst das Hamburger Magazin Stern im Oktober
2004 auf dem Cover illustrativ zusammen: Ein aus Menschen bestehendes Opel-Logo
wird von einem Cowboystiefel mit Stars'n'Stripes-Flagge zertreten. Offenkundig
ist man in Deutschland nur dann zu so genannten wilden Streiks bereit, wenn das
Feindbild "amerikanisch" markiert ist. Nie käme einer auf den
Gedanken, in derartiger Form gegen das Deutsche Kapital zu opponieren. In diesen
Fällen verweisen Betriebsräte gern auf die Verpflichtung für das große Ganze
- wahlweise den "Standort Deutschland" oder die
"Solidargemeinschaft". Wie im Falle Siemens, als von allen Seiten die
Vereinbarungen als "gut für Deutschland" und den "Standort"
gelobt wurde.
Als den deutschen Vielseitigkeitsreitern bei den Olympischen Spielen in Athen
aufgrund von Formfehlern die Goldmedaillen aberkannt wurden und Briten,
Franzosen und Amerikaner nachrückten, tobte die deutsche Presse. Der Mob
regierte in den Leserbriefen. Die USA lägen ohnehin schon viel zu weit vorn im
"Medaillenspiegel", da war man sich einig. Die Hamburger Morgenpost
stellte sogleich einen Zusammenhang zwischen den westlichen Alliierten im
Zweiten Weltkrieg und den Sportlern her, die sich nun auf dem Podest wieder
fanden. Norddeutsche Nazis veröffentlichten eine Presseerklärung, in der sie
sich beklagten, dass den Deutschen "die Goldmedaillen entrissen wurden wie
gemeinen Dopingsündern". Sie schlossen mit den Worten: "Alliierte
bleiben Alliierte vergesst es nicht!" [sic!][15]. Eine Ironie der Geschichte, dass im September nahezu die gesamte
deutsche Vielseitigkeitsreiter-Staffel des Dopings überführt wurde. Dass sich
mit dem derzeitigen Umbau des Sozialstaates und der Verschärfung der jeweiligen
Bezugsbedingungen staatlicher Unterstützung kein Bruch der Deutschen Ideologie
vollzieht, zeigt einmal mehr, wie wandlungsfähig diese ist. Ein kurzes
Spotlight sei hier noch auf die Hartz-IV-Proteste geworfen. Die Montagsdemos
haben bewiesen, dass der Etatismus nach wie vor Element der sekundären
Volksgemeinschaft ist. Wo von den Protestierenden immer wieder auf Eingriffe des
Staates gehofft wird, ja wo die Menschen darum "betteln, ausgebeutet zu
werden" (Ilka Schröder) brauchen wir, zumindest bad weather, keine
NPD-Beteiligung anprangern. Der Protest ist auch so unappetitlich genug.
Ideologisch ist das Wahnbild vom brutalen und "menschenverachtenden anglo-amerikanischen Kapitalismus" unisono präsent. Wie anders sind die ständigen
Warnungen vor "amerikanischen Verhältnissen" zu verstehen?
Die Realität freilich ist eine andere, im deutschen Sozialsystem wurde mit der
Einführung der 1-Euro-Jobs de facto eine Zweitauflage des Reichsarbeitsdienstes
geschaffen. Die Menschen befinden sich also nicht, wie beispielsweise in den
USA, auf einem "freien" Arbeitsmarkt (was so viel heißen könnte wie:
"Alle gegen Alle"), sondern werden vom Staat aus dem Arbeitsmarkt
ausgeschlossen, um dann ihren Dienst an der Gemeinschaft zu leisten (wenn
beispielsweise in Parks Hundekot beseitigt oder Laub gefegt werden muss). Die
Parallelen zum NS-Arbeits- und Wohlfahrtsstaat sind sowohl im Oldschool-Postnationalsozialismus als auch in seiner modernisierten Form so
evident, dass es sich für antifaschistische Linke eigentlich verbieten sollte,
den postnazistischen Sozialpakt und seine ideologische Unterfütterung zu
verteidigen. Eine Antifagruppe aus Hannover[16]
schreibt: "Es ist zynisch und menschenverachtend, bei einer offiziellen
Arbeitslosenzahl von 4,7 Millionen und 120.000 fehlender Ausbildungsplätze so
zu tun, als müssten Arbeitslose nur besser motiviert, das heißt sanktioniert
werden, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen". Wir waren, gelinde
gesagt, erstaunt darüber, dass sich Antifaschisten inzwischen den Kopf über
die Lösung des "Problems der Arbeitslosigkeit" zerbrechen. Dass die
Gruppe weiter schreibt, "[d]as Wörtchen .Volk. beinhaltet für uns, die
wir in Deutschland leben, den Stallgeruch des Nationalsozialismus", hindert
sie nicht, einige Tage später auf einem Antinaziflugblatt den Nazis allen
ernstes "soziale Volksverhetzung" vorzuwerfen.[17]
Engagement in der Hartz-IV-Bewegung scheint kein leichter 1-Euro-Job zu sein, zu
schnell kann man den Kopf verlieren - auch wenn man das Wort antifaschistisch im
Namen trägt. Festzuhalten bleibt, dass selbst ohne
"Sozialpartnerschaft" die ideologischen Standards der
postnationalsozialistischen Gesellschaft bestehen bleiben.
Aua, aua, aua! [unbekannter Nazi]
Wie aber kann mit den ständig wiederkehrenden ideologischen
Kampagnen, die auf den Nationalsozialismus rekurrieren, umgegangen werden? Mit Rücksicht
auf die Schwäche ideologiekritischer und kommunistischer Assoziationen ist
vielleicht eine Beschränkung auf einige wenige Anlässe von Nöten.
Manifestationen also, deren Kritik die völkische Formierung auch im Kern
treffen könnte. Dies ist beispielsweise bei geschichtspolitisch zentralen
Events wie den anstehenden 60. Jahrestagen 2005 - der Bombardierung Dresdens,
der Befeiung Auschwitz oder dem 8. Mai - gegeben, nicht im Sinne eines
Mitmachens oder kritischen Gestalten-Wollens, sondern als klare Antipode zum
postnationalsozialistischen Staat und seiner Gesellschaft. Ob die
Auseinandersetzung mit der Bewegungslinken über Antiamerikanismus,
Antisemitismus und völkischen Wahn besonders lohnt, überlassen wir der Willkür
des Betrachters. Prinzipiell ist aber nicht einsichtig, warum die
Auseinandersetzung um diese Themenfelder von antifaschistischen Gruppen in der
Linken geführt werden sollte. In der übergroßen Mehrzahl besteht bei der
Bewertung oben genannter Punkte kein qualitativer Unterschied zwischen dem
einfachen Volksgenossen und dem Otto-Normal-Linken. Auch die Kritik am
politischen Islam und dessen enge historische und politische Verknüpfung mit
dem Nationalsozialismus stellt einen weiteren Ansatzpunkt antifaschistischer
Arbeit dar. Ein praktischer Ausdruck dieser Kritik ist die Solidarität mit
Israel. Und es sollte selbstverständlich sein, dass die Kritik der Deutschen
Ideologie in antifaschistischen Gruppen auch theoretisch fortgesetzt wird.
Der "klassische Nationalsozialismus" ist derzeit keine Option. Das,
was Antifaschisten nahezu jedes Wochenende als eine deutsche Form des
White-Trash bei NPD- und Kameradschaftsaufmärschen gegenübertritt, ist
schlimmstenfalls eine Bedrohung im Einzelfall, stellt aber keine Alternative für
relevante bürgerliche Teile der Gesellschaft dar.
Den bekennenden Nationalsozialisten als stärkstem Ausdruck der Deutschen
Ideologie ist dort praktisch entgegenzutreten, wo sie auftreten. Nur bitte nicht
zusammen mit jenen, welche dann im Zweifel "Wir sind das Volk!" brüllen.
Dabei jedoch nicht vergessen: Was wären die Deutschen ohne "die bösen"
Nazis? Richtig. Immer noch Deutsche.
Fußnoten:
[1] Phase 2, Göttingen, Wie einige den
Antifaschismus neu zu entdecken glauben, in: Phase 2.09, September 2003.
[2] Ebd.
[3] Siehe auch Alfred Sohn-Rethel,
Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus, Frankfurt a.M. 1973 und
Manfred Dahlmann, in: Bahamas Nr. 31, 53 ff.
[4] Der Begriff hat seine Herkunft
in der organischen Ständestaatslehre und deren Wiederaufleben im europäischen
Faschismus. Im Unterschied zur pluralistischen Interessensvermittlung und zum
Lobbyismus werden hier die Verbände u.ä. verbindlich in die Politikentwicklung
eingegliedert.
[5] Unter Korporatismus lässt
sich beispielsweise das 1995 von Gewerkschaften, Bundesregierung und
Unternehmensverbänden gegründete "Bündnis für Arbeit" subsumieren.
Bemerkenswert ist, dass in US-amerikanischen Wirtschafts-Lehrbüchern noch bis
in die neunziger Jahre unter dem Eintrag "Corporatism" der Zusatz
"see fascism" zu finden war.
[6] Sozialpartnerschaft ist
kennzeichnend für korporatistische Gesellschaften; dabei richten die
Arbeitsmarktparteien (Arbeitnehmerverbände, Gewerkschaften, Parteien etc.) ihre
Politik darauf aus, Konflikte partnerschaftlich zu lösen und nicht
konfliktorisch oder klassenkämpferisch.
[7] Andrea Woeldike/ Holger
Schatz, in: Jürgen Elsässer/Andrei S. Markovits (Hrsg.), Die Fratze der
eigenen Geschichte, Berlin 1999, 118. Hannah Arendt stellte bei einem
Deutschlandbesuch 1950 fest: "Die alte Tugend, unabhängig von den
Arbeitsbedingungen ein möglichst vortreffliches Endprodukt zu erzielen, hat
einem blinden Zwang Platz gemacht, dauernd beschäftigt zu sein, einem gierigen
Verlangen, den ganzen Tag pausenlos an etwas zu hantieren. Beobachtet man die
Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer Tausendjährigen
Geschichte stolpern und für die zerstörten Wahrzeichen ein Achselzucken übrig
haben oder wie sie es einem verübeln, wenn man sie an die Schreckenstaten
erinnert, welche die ganze übrige Welt nicht losläßt, dann begreift man, daß
die Geschäftigkeit zu ihrer Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden
ist".
[8] Max Horkheimer, Gesammelte
Schriften, Bd. 6, 404; dieses Moment lässt sich sehr gut anhand der
Goldhagen-Debatte um "Kollektivschuld" nachvollziehen; im Übrigen hat
sich auch hier der innerdeutsche Umgangston verschärft und statt dem
"wir" Täter ist immer mehr vom "wir" Opfer zu hören; bad
weather hat dies in einer ganzen Reihe von Fällen aufgegriffen und kritisiert
(Walser-Debatte, Wehrmachtsausstellung). Texte dazu finden sich auf unserer
Homepage http://www.antifa-hamburg.com.
[9] Bahamas 37, 48 ff.
[10] ebd.
[11] Bezeichnenderweise finden
sich in einem anderen postnazistischen Land - Österreich - viele Parallelen zur
deutschen Entwicklung, gerade auch in punkto Sozialpartnerschaft.
[12] Mehr hierzu bei Gerhard
Scheit, Thesen zum Verhältnis von Antiamerikanismus und Antisemitismus, in:
Thomas Uwer/Thomas von der Osten Sacken/Andrea Woeldike, Amerika. Der "War
on Terror" und der Aufstand der Alten Welt, Freiburg 2003, 75-100; Dan
Diner, Feindbild Amerika. Über die Beständigkeit eines Ressentiments, München
2002.
[13] Die Liste ließe sich
beliebig lang fortsetzten. Bemerkenswert ist, dass die Angriffe auf die USA
nicht in der Häufigkeit - aus allen gesellschaftlichen Schichten - zunehmen,
sondern auch die zunehmende Eskalation in der Qualität, wenn beispielsweise die
Tageszeitung Junge Welt jede Ermordung eines US-Amerikaner begrüßt oder Jörg
Friedrich ("Bombenkriegsexperte") den Amerikanern endlich mal einen
Krieg wünscht, damit jene sehen, "wie das ist".
[14] bad weather, April 2003.
[15] "Aktionsbüro
Norddeutschland".
[16] Antifa Aktion Hannover:
Flugblatt zu den Hartz IV Protesten 2004.
[17] Bei Fragen betreffend der
Auslegung des Tatbestands der "Sozialen Volksverhetzung" wenden Sie
sich bitte an die Antifa Aktion Hannover.
Phase 2 Nummer 14/2004
[Quelle: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=250&print=]